Spülmaschinentabs selber machen
Soda, Zitronensäure, Salz, ein paar Tropfen Essig und eine Eiswürfelform: DIY-Rezepte für Spülmaschinentabs versprechen günstige und natürliche Reinigung. Ein Blick auf die Chemie zeigt, warum das Ergebnis meist enttäuscht.
Kurz gesagt
Spülmaschinentabs selber machen ist möglich, lohnt sich aber selten. Selbst gemischte Tabs aus Soda, Zitronensäure und Salz enthalten weder Enzyme noch Bleiche oder schaumarme Tenside und spülen deshalb Eiweiß, Stärke und Teeränder deutlich schlechter. Zudem können sie bei hartem Wasser Beläge bilden, und die Ersparnis gegenüber günstigen Handelsmarken ist gering.
Was in typischen DIY-Rezepten steckt
Die meisten Anleitungen im Netz kombinieren drei bis fünf Zutaten, die mit etwas Wasser oder Essig angefeuchtet, in Formen gepresst und getrocknet werden. Jede Zutat hat eine Aufgabe, aber auch einen Haken.
| Zutat | Soll bewirken | Problem |
|---|---|---|
| Waschsoda (Natriumcarbonat) | alkalisch, löst Fett | reizt Haut und Augen, bildet mit hartem Wasser Kalkniederschlag |
| Zitronensäure | gegen Kalk, für Glanz | neutralisiert die Soda teilweise, beide Wirkungen schwächen sich |
| Natron | mild reinigend, gegen Gerüche | kaum Reinigungskraft bei eingetrockneten Resten |
| Grobes Salz | „Enthärtung“ | ersetzt keine Enthärtungsanlage, Salz im Spülraum fördert Korrosion |
| Essig oder Wasser | Bindemittel | startet die Reaktion von Soda und Säure schon beim Mischen |
Manche älteren Rezepte enthalten Borax. Davon ist abzuraten: Borax ist in der EU als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und für Privatanwender nicht mehr frei erhältlich.
Spülmaschinentabs selber machen im Faktencheck
Es fehlen die eigentlichen Wirkstoffe
Moderne Maschinenspülmittel reinigen vor allem mit Enzymen. Proteasen spalten Eiweiß wie Ei und Käse, Amylasen zerlegen Stärke aus Nudeln, Reis und Kartoffeln. Sauerstoffbleiche entfernt Tee, Kaffee und Rotwein. Dazu kommen schaumarme Tenside und Polymere, die Schmutz in der Schwebe halten. Nichts davon steckt in einem DIY-Tab, und diese Stoffe lassen sich auch nicht sinnvoll in der Küche nachmischen, weil Enzyme und Bleiche nur in abgestimmten, trockenen Rezepturen stabil bleiben. Besonders in Eco-Programmen mit 45–55 °C fehlt dann die Wirkung, weil Soda allein bei diesen Temperaturen wenig ausrichtet.
Soda und Säure heben sich auf
Wenn Soda und Zitronensäure mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen, reagieren sie miteinander und sprudeln. Was übrig bleibt, ist weniger alkalisch und weniger sauer als die Ausgangsstoffe. Ein Teil der Wirkung ist also schon verpufft, bevor der Tab im Gerät liegt.
Beläge bei hartem Wasser
Soda fällt in hartem Wasser Kalk aus. Ohne die Polymere und Komplexbildner industrieller Spülmittel kann sich dieser Kalk als weißer Film auf Geschirr und im Spülraum absetzen. Wie du solche Beläge erkennst und entfernst, steht unter weiße Beläge im Geschirrspüler.
Risiken für Gerät und Gesundheit
Waschsoda ist stark alkalisch und kann Augen und Haut reizen. Beim Mischen Handschuhe und eine Schutzbrille tragen, nicht in der Nähe von Kindern arbeiten und DIY-Tabs eindeutig beschriftet und unzugänglich lagern. Niemals mit anderen Reinigern mischen.
- Korrosion: Salzreste im Spülraum können Edelstahl angreifen und Rostflecken verursachen. Regeneriersalz gehört deshalb nur in den Salzbehälter, nie in einen Tab; was gegen Flecken hilft, steht unter Rost im Geschirrspüler.
- Verstopfung: Bröckelnde Tabs und Kalkniederschlag können Sieb und Sprüharmdüsen zusetzen.
- Dosierfach: Selbst gepresste Tabs sind oft zu groß, kleben im feuchten Fach oder zerfallen.
- Gewährleistung: Entstehen Schäden durch ungeeignete Mittel, kann der Hersteller die Haftung ablehnen; mehr unter Garantie und Gewährleistung.
Sind Sieb, Dichtung oder Dosierklappe bereits beschädigt, findest du passende Teile über die E-Nummer, siehe Geschirrspüler-Ersatzteile.
Wenn du es trotzdem ausprobierst
Wer DIY-Tabs testen möchte, sollte das mit Bedacht tun und das Ergebnis kritisch beobachten:
- Nur bei weichem Wasser und mit gefülltem Regeneriersalz-Behälter ausprobieren
- Leicht verschmutztes Geschirr in einem heißen Programm spülen, nicht im Eco-Programm
- Tab trocken und gut ausgehärtet ins Dosierfach legen. Viele Anleitungen empfehlen stattdessen den Besteckkorb; dort löst sich der Tab aber schon im Vorspülen, und ein Teil der Wirkung geht mit dem ersten Abpumpen verloren
- Nach einigen Spülgängen Gläser, Sieb und Spülraum auf Beläge prüfen
- Bei Problemen sofort zu einem normalen Maschinenspülmittel zurückkehren
Keinesfalls solltest du Handspülmittel als „flüssige Zutat“ beimischen. Schon kleine Mengen verursachen eine Schaumflut, wie Handspülmittel im Geschirrspüler zeigt.
Kosten und Umwelt
Die Zutaten für einen DIY-Tab kosten je nach Rezept ca. 3–8 Cent, günstige Classic-Tabs oder Pulver einer Handelsmarke liegen bei ca. 3–10 Cent pro Spülgang. Die Ersparnis ist also klein, der Zeitaufwand für Mischen und Trocknen dagegen nicht. Ökologisch punkten DIY-Tabs durch wenig Verpackung und den Verzicht auf Duftstoffe. Dasselbe erreichst du mit Pulver im Karton oder Tabs ohne Hülle und Ecolabel, die zuverlässig reinigen. Die Optionen stellt Spülmaschinentabs ohne Plastikfolie vor, den Vergleich der klassischen Formen Pulver oder Tabs. Einen Überblick bietet Tabs, Salz und Klarspüler.
Häufige Fragen
Kann ich nur Natron oder Soda in die Spülmaschine geben?
Als Notlösung für leicht verschmutztes Geschirr ist das möglich, ersetzt aber kein Spülmittel. Bei Eiweiß- und Stärkeresten sowie Teerändern ist das Ergebnis meist unbefriedigend.
Taugt Zitronensäure zum Reinigen des Geräts?
Zum gelegentlichen Entkalken des Spülraums ja, wenn du die Herstellerhinweise beachtest. Als Spülmittelersatz eignet sie sich nicht. Wie das Entkalken funktioniert, steht unter Geschirrspüler mit Zitronensäure reinigen.
Sind DIY-Tabs besser für die Umwelt?
Sie sparen Verpackung und Duftstoffe. Wenn du wegen schlechter Ergebnisse aber öfter nachspülen oder heißer spülen musst, ist der Vorteil schnell aufgebraucht.
Wie lange halten selbst gemachte Tabs?
Sie ziehen leicht Feuchtigkeit und zerfallen oder verbacken. In einem luftdichten Glas halten sie einige Wochen, danach lässt die Wirkung spürbar nach.